Massengrab in Marienburg
Bild vergrößern
Anlässlich der Bauarbeiten für ein Hotel in Marienburg bei Danzig wurden Ende Oktober 2008 die sterblichen Überreste von zunächst über 60, dann mehreren Hundert und nach abschließenden Feststellungen der polnischen Staatsanwaltschaft 2120 Menschen entdeckt. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen unter Federführung des unter anderem für die Verfolgung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zuständigen polnischen Instituts des Nationalen Gedenkens haben weiterhin ergeben, dass es sich bei den aufgefundenen Gebeinen um deutsche Kriegstote im Sinne des deutsch-polnischen Kriegsgräberabkommens handelt, zum größten Teil Frauen und Kinder, die mit allergrößter Wahrscheinlichkeit in der Zeit der schweren und anhaltenden Kämpfe um Marienburg gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, also zwischen Januar und März 1945, an Hunger, Frost und Krankheiten, einige auch durch unmittelbare Kampfeinwirkung, gestorben sind.
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., der im Auftrag der Bundesregierung die Kriegsgräberfürsorge im Ausland wahrnimmt, sowie das Generalkonsulat Danzig waren mit der Angelegenheit intensiv befasst und arbeiteten mit den zuständigen polnischen Stellen eng zusammen. Der Stadtrat von Marienburg beschloss bereits am 26. Februar 2009, die Fundstelle des Massengrabs unbebaut zu lassen und dem Bauinvestor ein anderes Grundstück zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus stellte der Bürgermeister in Aussicht, dass auch durch einen Gedenkstein an den schrecklichen Fund erinnert wird.
Nach der inzwischen erfolgten Freigabe der Gebeine, der eine eingehende Untersuchung auch durch den Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge vorausgegangen war, ist es der Bundesregierung ein wichtiges Anliegen, dass die Toten alsbald eine würdige letzte Ruhestätte finden. Wie mehrfache Gespräche mit der Stadt Marienburg ergaben, besteht aus rechtlichen und praktischen Gründen auf absehbare Zeit keine Möglichkeit der angemessenen Bestattung der Toten in der Stadt selbst. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. hat sich deshalb dafür entschieden, die aufgefundenen Toten Mitte Agust auf der in der Woiwodschaft Westpommern gelegenen Kriegsgräberstätte Neumark (Stare Czarnowo) feierlich einzubetten, wo ihrer auch in Zukunft in besonderer Form gedacht werden kann und ihnen ein ewiges Ruherecht garantiert ist.